Zeitenwechsel
28.02.16 23:59 2016112016
Ein inspirierender Sonntag mit zwei besonderen Akzenten. Den einen setzt die Predigt, die am Beispiel von Abraham und Lot das dumpfe „aus seinem Recht beharren“ in einen klingenden Akkord zum „auf sein Recht verzichten“ verwandelt. Abraham kann das nur, weil er um Gottes umfassende Fürsorge für sein Leben weiß. Die aus allen menschlichen Gesichtspunkten bessere Wahl Lots erweist sich als Griff in den Mülleimer, letztlich kommt er gerade so mit seinem Leben davon. Die auf Gott vertrauende Offenheit Abrahams wird zum Segen für ihn und später sogar zum Segen für Lot, der ohne ihn in Sklaverei oder Tod gelandet wäre. Für mich leuchtet darin auch die Feststellung des Paulus im 1. Brief an die Korinther (Kapitel 6) auf, als er Christen ermahnt sich lieber von anderen Christen übervorteilen zu lassen, als vor einem heidnischen Gericht ihr Recht zu suchen. Auch Paulus war sich offensichtlich völlig bewusst, dass Gott der Geber aller Güter ist - wer seinen Bruder (seine Schwester) übers Ohr haut, betrügt in gleicher Weise Gott. Ist mir das eigentlich ebenso bewusst? Am Abend erschließt sich mir erstmalig der Text des „Hallelujah“ von Leonard Cohen - eine anrührende Wiedergabe des Gotteslobs Davids angesichts seines großen Fehlens mit Batseba. Das englische Original zeichnet sich durch hohe Sensibilität aus. Die deutsche Übersetzung ähnelt einer Dampfwalze. Heute im Gottesdienst waren mir zu viele englische Lieder, heute am Abend hat das Englische bei mir ein Stein im Brett. The times they are a changing. Jawoll.
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