Papiertiger und Techniktore

Gegen eins landet Mutti auf der Station. Gegen Morgen passiere ich die autoleeren frühsonntäglichen Straßen, greife den allzeit bereiten Notfallkoffer und begutachte die mütterliche Liegesituation. Mein Aufenthalt ist nur kurz, später wollen wir in Vollzahl anrollen. Pünktlich zum Frühstück bin ich wieder daheim. Später satteln wir unseren Yeti, ergänzen dem mütterlichen Wohlbefinden Dienendes aus ihrem Haushalt und suchen sie wieder auf. Dort wartet der übliche papierne Moloch auf Abarbeitung und ich beuge mich langzähnig seinem unausweichlichen Diktat. Ob sie gut behandeln können, müssen sie noch nachweisen, dass sie die Papierindustrie einwandfrei fördern können, wissen wir bereits jetzt. Telefon- & TV-Karte gegen Formularparaphierung, Aufladung gegen Bares - alles hat hier seine Ordung. Wie kommen geistig Unbeholfene damit zurecht? Werden Depressive dadurch in noch tiefere Depression gerissen? Wer weiß das schon? Immerhin muss man nur die Karte ins Telefon stecken und schwups ist alles okay, vorausgesetzt sie wird vorschriftengerecht eingeführt. Individuelle Einschubkreativität führt zur elektronischen Verweigerung. Gemeinsam mit der Schwester ziehen wir dann ins Privatzimmer um. Eine Zusatzversicherung ist eine gute Wahl in der gesundheitlichen Zweiklassengesellschaft. Sollte meine Mum sich entschließen einige technische Grundkenntnisse zu erwerben, kann sie vielleicht sogar den dortigen Fernseher bedienen. Warten wir’s ab und trauen es ihr mal zu. Ob ich später mal genauso ahnungslos auf künftige Konstrukte blicken werde? Keinesfalls, es wird ja alles bedienungsfreundlicher! Für Diplomingenieure.
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