Philosophisches

"Was machst Du denn alles in Deiner vielen Freizeit", fragt mich ein Freund völlig überraschend. Da hat er mich auf dem falschen Fuß erwischt, aber einen Anstoß zum Nachdenken vermittelt. Was mache ich eigentlich so den ganzen Tag? Eine typisch deutsche Frage. "Müßiggang ist aller Laster Anfang", heißt es passend dazu einem unserer Sprichwörter. Wir Einheimischen definieren uns in diesem unserem Lande über Arbeit.

Aber ich will mich über das "Zeit haben" definieren, "Otium" ist mein Ziel. Die "Uhr" soll andere Privatiers umtreiben, ich will die "Zeit" gewinnen. Kein leichtes Unterfangen. Meine ersten Forschungsergebnisse beweisen, dass man sowohl mit Arbeit, als auch mit Freizeit im Zeitstrom untergehen kann. Wie gewinnt man Zeit? Erste Erkenntnisse weisen den Weg weg von Vorgaben, hehren Absichten oder Arbeitszielen. "Fang an, ruh' aus, mach beizeiten weiter oder unterbrich je nach Erfordernis" sind zielführende Hinweise. "Suche Kreativität zu entfalten", ein weiterer, den ich immer noch anstrebe. Wohlgemerkt, Kreativität um der Kreativität willen, keine an der Außenwirkung messbare. Dieser Blog ist für mich ein erster Schritt. Vor allen Dingen schreibe ich ihn um meiner selbst willen und kann, ab und an, die Gelegenheit nutzen, mich "schriftstellerisch" zu entfalten. Vielleicht freue ich mich dann ein halbes Jahr später "tierisch" darüber. Wäre doch nett. Mit Ruhe und Gelassenheit den Tag angehen, also etwas, woran mich erfolgshungrige Bosse jahrelang gehindert haben, lässt auch Regentage aufstrahlen, vor allem wenn sie mit der Freude über das Erreichte verbunden sind - wie gering das auch scheinen mag. Ähem, sollte ich eventuell in die philosophische Fakultät wechseln?

Nachtrag: Nichtstun ist nicht Otium. Die Gefahr ist riesig sich einfach treiben zu lassen. Diesem Übel bin ich oft schon ins Netz gegangen. Nein, Ziele setzen, sie anstreben ohne ihnen sklavisch nachzuhetzen, scheint ein Weg zu sein. Ich forsche weiter.
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