Quassel-Gen und gourmantische Petitessen

Heute gilt es eine ganz besondere Bekanntschaft zu machen. Nichts ahnend fahren wir zur Brackstedter Mühle, lassen uns auf Einladung meiner Mum verwöhnen. Ich esse den ersten neuen Spargel in diesem Jahr mit leckerem Lachs. Und dann erscheint der Chef um mit uns die 90-Jahre-Fete vorzubesprechen. Was für ein Chef! Eine rheinische Frohnatur mit Quassel-Gen. Er hüllt uns ein mit seinem Wortschwall und seinem gewöhnungsbedürftigem Humor. Letztlich gelingt es doch ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen und Speisenfolge, Getränkeauswahl sowie die Dekoration festzulegen. Unsere Ohren sind am Rand ihrer Verarbeitungskapazität einlasswünschender Wortmassen angelangt. Höchste Zeit für ein wenig Schweigen. Ich habe ja glücklicherweise äußerst selten mit Gourmetansichten zu tun. Ein kleines Lächeln erlaube ich mir schon, wenn mir von Wein berichtet wird, der den Spargelgeschmack an seiner Entfaltung hemmt, wenn bestimmte Beilagen zum Spargel gar nicht passen (Kroketten zu Spargel mit Schnitzel - welch eine Zumutung, igittigitt) und wenn das Dessert in groben Zügen umrissen aber keinesfalls detailliert beschrieben werden soll. Meine Zeit - ich habe jahrzehntelang abgehärtete Geschmacksknospen auf der Zunge, die vielerlei Erfahrungen hinter sich haben, die grinsen mich breitlächelnd an, wenn sie mit solchen Petitessen konfrontiert werden. Wenn Menschen keine anderen Probleme haben muss es ihnen wohl sehr, sehr gut gehen.
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